Direkt zum Hauptbereich

Der Schwank Teil 2

Im Lauf des Erwachsenwerdens dachte ich immer wieder über Gott nach und ob es einen solchen überhaupt gibt, oder ob es so wie der Weihnachtsmann, Knecht Rupprecht und der Osterhase vielleicht nur etwas ist, was man seinen Kindern erzählt, damit diese sich ordentlich benehmen. Irgendwann kam ich zu dem Entschluss, dass vielen der Glaube an einen Gott hilft um mit sich und dem Leben besser zurecht zu kommen, dass mir ein Glaube allerdings nichts bringt. Die Fragen die ich mir damals oft stellte, waren Folgende:
  • Kann ich auch ohne einen Gott glücklich sein?
  • Wird meine Familie meine Entscheidung akzeptieren?
  • Werde ich auch wenn ich mal eine schwere Zeit haben sollte, ohne den Glaube an Gott zurecht kommen?
  • Werde ich meinen (evtl.) Kindern erklären können, warum Andere Kommunion, Firmung oder Konfirmation haben und sie nicht? Werden sie das akzeptieren?
  • Werden meine Kinder im doch sehr christlichen Bayern ausgegrenzt werden?
  • u. a.
Erstmals äußerte ich meinen Wunsch aus der Kirche auszutreten mit 18 Jahren gegenüber meinen Eltern und meinen Freunden. Dies wurde allerdings damit abgeschmettert, was ich tun würde, wenn mein zukünftiger Ehemann kirchlich heiraten möchte, ich ihm dies durch meinen Kirchenaustritt allerdings unmöglich machen würde. Also behielt ich die Idee im Hinterkopf und wartete ab, was noch kommen würde.

Mitte 2016 griff ich das Thema bei einer Familienfeier wieder auf und mein Bruder reagierte äußerst abweisend, sogar wütend. Ob ich meine Kinder von vorne herein ausgrenzen wolle und ob ich mich hierfür immer rechtfertigen wollen würde, waren noch die nettesten Vorwürfe. Letztlich führt es zu einer hitzigen Diskussion, so dass ich beschloss das Thema nicht mehr erneut aufzugreifen.

Zwischen Weihnachten und Silvester 2016 beschloss ich dann endlich aus der Kirche auszutreten - um weiteren Konfrontationen aus dem Weg zu gehen - ohne es meiner Familie zu sagen und ging zur Gemeindeverwaltung und zog es durch. Wirksam wurde mein Austritt am 01.01.2017, also passend zum Jahreswechsel nahm ich eine, für mich, positive Veränderung in meinem Leben vor. Endlich stand ich nicht mehr unter dem Zwang einen Glauben vorzutäuschen, den ich nicht besaß. 

Bei meinem ersten Kirchenbesuch nach meinem Austritt, fiel ich zwar auf, da ich nicht an der Eucharistie teilnahm und ich spürte die Irritation der Kirchengänger, aber ich war glücklich -

ohne Gott.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Grüß Gott

Grüß Gott. Darf die das? Darf die einfach so mit Gott grüßen? Tja was soll ich sagen, ich versuche es zu vermeiden, aber wenn man in Bayern aufwächst und lebt, ist das eben eine typische Begrüßung. "Guten Tag" klingt als Antwort auf "Grüß Gott" einfach seltsam. Ich versuche hierfür mittlerweile das unverfänglichere "Hallo" oder "griaß di" (ohne das Gott) zu benutzen. Wie gesagt, klappt aber auch nicht immer. Andererseits, wen juckt's? Ich glaube nicht an eine Hölle in die ich kommen könnte, wenn ich es noch öfter sage, also von dem her... Wen juckt's? Mein Blogname soll diesen leichten Widerspruch ausdrücken und für den ein oder anderern Christen könnte es wohl als Provokation angesehen werden, was mich allerdings nicht besonders stört.

Der Schwank Teil 1

Seit 01.01.2017 bin ich religionslos. Bis dorthin war es ein langer innerer Kampf, verbunden auch mit vielen Diskussionen mit Familie und Freunden. Ich wurde 1990 im katholischen Teil Bayerns geboren, getauft, tat Buße, erhielt die Erstkommunion (und damit die Eucharistie) und wurde gefirmt. Meine Eltern sind und waren zum Glück nie übermäßig religiös, bzw. drängten mir ihren Glauben nicht auf. Die Aussage meiner Mutter lautete stets: "Taufe, Kommunion und Firmung machst halt mit, damit net (nicht) so auffallst. Ob dann in der Kirch' heiratst ist dir überlassen, da bist dann alt genug." Immer noch in vielen Teilen Bayerns darf man alles, solange es keinem auffällt oder man nicht darüber spricht. Zum Auffallen zählen alle Arten des Andersseins, also alles das anders ist, als die dort vorherrschende Norm, weil man das "scho immer so gmacht hat". Bei meiner Taufe, meiner ersten Beichte, Kommunion und den ersten Abendmahlen besaß ich noch nicht die g...